2.Lockdown oder 2.Chance? 10.11.2020

2. Lockdown oder 2. Chance?

„Die Landesregierung berät in diesen Stunden über einen zweiten lock down mit Schließung der Schulen und drastischeren Herunterfahren der Wirtschaft“- so die Schlagzeilen.

Was in diesen Stunden gerade hinter den Mauern des Landtages abläuft und wie in einigen Stunden wohl unser Leben wieder aussieht? Wir wissen es nicht. Es scheint, als hätte sich der Rat der Weisen zurück gezogen um.. ja warum und wozu hat er sich denn zurückgezogen? Worum geht es wirklich? Wir wissen es nicht. 

Gleich wenig wissen wir, ob unsere Kinder wieder tagelang zuhause vor den Pc´s sitzen werden, unser aller Bewegungsfreiraum wieder mehr und mehr eingeschränkt wird, alle sozialen und gesellschaftlichen Kontakte und Aktivitäten auf Null gestellt bleiben, keine festen, sicheren Einkommen da sind, keine Momente des sich einfach nur frei Wohlfühlens. Ist das jetzt unser Leben? Ab wann und für wie lange? Wir wissen es nicht.

Was wir wissen:

WIR Eltern sind verzweifelt, weil wir erdrückenden Sorgen ausgeliefert sind um das Liebste, das wir haben: unsere Kinder! Weil unser aller Recht auf Bildung und gesunde Entwicklung und natürliches Wachstum sowie unser Recht auf Gesundheit seit März aufgrund des Notstandes der Pandemie zum Opfer gefallen ist.

Es spielt sich in unseren Herzen und Seelen- kurzum in unserem Inneren- aktuell das ab, was sich in der Psychologie, der „Wissenschaft des menschlichen Erlebens und Verhaltens“ als kollektives Trauma umschreiben lässt:

Unzählige Menschen ohne Unterschiede in Alter, Geschlecht, sozialer Schicht, Herkunft oder Ausbildungsniveau erleben derzeit einen Zustand der Ungewissheit und des kontrolllos Ausgeliefert Seins.

Und dies nicht zum ersten Mal, worin ich als Psychologin, Psychotherapeutin und Imagotherapeutin eine nennenswerte AKUTE Gefahr sehe:

Aus der Forschung des menschlichen Erlebens und Verhaltens geht hervor, dass der Mensch in solchen Momenten und Zuständen, wo alles um ihn herum unsicher ist und eine Bedrohung darstellt, seine Grundbedürfnisse gesichert haben muss, um zu überleben und Resilienz (Kraft, sich dem Leben zu stellen ) zu entwickeln.

Der Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm und Bestsellerautor Manfred Spitzer zitiert in seinem aktuellsten Werk: „Pandemie- Was die Krise mit uns macht und was wir aus ihr machen“  eine Reihe von wissenschaftlichen Studien, die seit Beginn dieser Pandemie gemacht wurden und vergleicht sie mit ähnlichen Untersuchungen und Studien aus vergangenen Pandemien. Spitzer kommt zum selben Schluss: an 3,5 Millionen Menschen hat sich wissenschaftlich erwiesen, dass psychischer Stress und Belastung eine direkte negative Auswirkung auf das Immunsystem haben und dass es aus diesem Grund nur dann einen Weg mit der Pandemie geben kann, wenn psychologische Faktoren mitberücksichtigt und genutzt werden. Dies würde für einen Tag, wie den heutigen im Händeln der Pandemie bedeuten, dass die Anfälligkeit auf das Virus bei der Bevölkerung bis zu 75% erhöht werden kann, wenn die psychische Belastung durch einen totalen lockdown noch weiter steigt. Sowas kann nicht ignoriert werden und noch weniger verantwortet werden. Das ist aus psychologischer Sicht in einer zweiten Phase menschlich nicht mehr (er) tragbar.

10 November 2020


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